Donnerstag, 8. November 2012

The Wire-Creator David Simon analysiert den Sieg Obamas.

David Simon, der Co-Schöpfer von The Wire und Treme, hat eine bestechende Analyse für seinen Blog über den Sieg Obamas geschrieben. Der Titel: Barack Obama and The Death Of Normal:  

This election marks a moment in which the racial and social hierarchy of America is upended forever. No longer will it mean more politically to be a white male than to be anything else. Evolve, or don’t. Swallow your resentments, or don’t. But the votes are going to be counted, more of them with each election. Arizona will soon be in play. And in a few cycles, even Texas. And those wishing to hold national office in these United States will find it increasingly useless to argue for normal, to attempt to play one minority against each other, to turn pluralities against the feared “other” of gays, or blacks, or immigrants, or, incredibly in this election cycle, our very wives and lovers and daughters, fellow citizens who demand to control their own bodies.

Regardless of what happens with his second term, Barack Obama’s great victory has already been won: We are all the other now, in some sense. Special interests? That term has no more meaning in the New America. We are all — all of us, every last American, even the whitest of white guys — special interests. And now, normal isn’t white or straight or Christian. There is no normal. That word, too, means less with every moment. And those who continue to argue for such retrograde notions as a political reality will become less germane and more ridiculous with every passing year.

Lots of waste and shouting and ignorance still to come, of course. But last night was a milestone.


Bin bißchen spät dran mit meinem Post, aber David Simon hat so ungefähr das Klügste geschrieben, was es zur Wahl Obamas zu sagen gab.

Montag, 5. November 2012

Schmutziger Wahlkampf in den USA - die PBS Doku "Big Sky, Big Money".

Romney oder Obama? Wer die Wahl gewinnen wird, hängt von vielen Faktoren ab. Heute gibt es Berichte über lange Warteschlangen in den zwei extrem wichtigen Bundesstaaten Florida und Ohio. Demokraten machen statistisch gesehen von ihrem Wahlrecht öfter bereits vor dem eigentlichen Wahltag Gebrauch und diese Warteschlangen, bewusst durch neue Gesetze und Regularien seitens republikanischer Politiker herbeigeführt, sind sicherlich keine guten Nachrichten für Team Obama. 

Hochspannend im Zusammenhang mit den Wahlen ist "Big Sky, Big Money" deshalb, weil in der Doku aufgezeigt wird, wie in Amerika der Wahlkampf in der Realität aussieht, nachdem  der Supreme Court in einer Grundsatzentscheidung, unbegrenzte Wahlkampffinanzierung ohne Verpflichtung zur Transparenz erlaubt hat.

Watch Big Sky, Big Money on PBS. See more from FRONTLINE.

Sonntag, 21. Oktober 2012

Produzenten wagen sich aus der Deckung und fordern einen Verhaltenskodex für öffentlich-rechtliche Sender.

Die Besorgnis unabhängiger Produzenten über die Praxis von Fernsehsendern Produktionsaufträge an eigene Tochterfirmen zu vergeben, ist seit längerem bekannt. Nun haben vier Vereinigungen einen Vorstoß gewagt und fordern einen Verhaltenskodex für die Vergabe von Auftragsproduktionen durch öffentlich-rechtliche TV-Sender. AG Dokumentarfilm (AG DOK), Film & Fernsehproduzentenverband NRW e.v., der Verband Deutscher Filmproduzenten und der VFFVmedia/Verband der Fernseh-, Film-, Multimedia- und Videowirtschaft haben einen entsprechen Vorschlag in Umlauf gebracht. Der Vorstand des Film & Fernsehproduzentenverbandes NRW e.v. Gerhard Schmidt dazu:
"Der Kodex soll die Zusammenarbeit der öffentlich-rechtlichen Anstalten mit eigenen Tochtergesellschaften und unabhängigen Produktionsunternehmen neu und verbindlich regeln. Uns geht es darum, in diesem Bereich Transparenz zu schaffen. Indem die gebührenfinanzierten Anstalten bei der Produktionsvergabe ihre eigenen Tochterunternehmen bevorzugen, beherrschen diese heute in vielen Genres den Produktionsmarkt und verzerren den Wettbewerb massiv. Diese Marktsituation bedroht die Existenz vieler unabhängiger Produktionsunternehmen und Produktionsdienstleister. Damit  wird  die Vielfalt und Qualität der deutschen Produktionslandschaft ernsthaft gefährdet."  

Im Studio D von dwdl.de fand ein unbedingt sehenswertes Gespräch mit Gerhard Schmidt statt, in dem er deutliche Kritik an der Geschäftspraxis der öffentlich-rechtlichen Sender und insbesondere der ARD übt. Die ARD betreibt nicht weniger als 150 Tochterunternehmen - und wer könnte die zahlreichen Skandale aus den letzten Jahren vergessen, bei denen Entscheider und Tochterfirmen eine Rolle gespielt haben? Thomas Frickel von der AG DOK nennt das zutreffend eine "peinliche Kette skandalumwitterter Auftragsvergaben und Bestechungsfälle im Bereich öffentlich-rechtlicher Sender."

Der Verhaltenskodex ist eine angebrachte Forderung von Seiten unabhängiger Produzenten. David hat also den Stein geschmissen, nachdem er lange die Faust in der Tasche geballt hat. Ob David Goliath umhauen wird, wird man abwarten müssen, denn es ist extrem unwahrscheinlich, dass die zahlreichen Tochterunternehmen einfach abgeschafft werden und das Auftragsvolumen von 40% an Tochterunternehmen auf 10% gesenkt wird, wie der Wunsch der Produzenten lautet. Der letzte Satz der Pressemitteilung:
"Um die Vielfalt und Kreativität der deutschen Produktionslandschaft auszubauen und zu befördern, bedarf es zu allererst größerer Transparenz. ARD und ZDF finanzieren sich aus Gebührengeldern. Deshalb sollten sie die Verwendung dieser Mittel auch öffentlich, transparent und nachvollziehbar dokumentieren."

Sonntag, 14. Oktober 2012

Für David Chases Not Fade Away gibt´s den ersten Trailer.

David Chase Kinodebüt Not Fade Away hat knapp zwei Monaten vor dem Starttermin den ersten Trailer in Umlauf gebracht. Darin ist James Gandolfini zu sehen, wie er seinen Filmsohn in der Art von Tony Soprano runtermacht. Das fällt natürlich sofort auf.  

Not Fade Away war einer der ersten Hits der Stones und auch im Trailer werden die Stones erwähnt, während der Stones-Song Parachute Woman den Clip akustisch begleitet. 


Ob Not Fade Away es überhaupt in die deutschen Kinos schaffen wird, ist offen. Der Film hat noch keinen deutschen Starttermin und wird kurz vor Weihnachten in kleiner Kopienzahl in Amerika starten.  

Mittwoch, 29. August 2012

Deutliche Worte von Ed Burns zur aktuellen Lage in Baltimore.

The Wire spielte in Baltimore. Dass sich gar nichts an den Zuständen am Schauplatz einer der besten Fernsehserien aller Zeit gebessert hat, zeigt eine Dokumentation des englischsprachigen Programms von Al Jazeera über die aktuelle Lage in der Hafenstadt. Die Polizei legt das Schwergewicht der Arbeit auf die Verhinderung von Morden, um die schlimmsten Gewaltverbrechen zu verhindern.

Deutliche Worte findet The Wire-Miterfinder Ed Burns für das mehr als fragwürdige Vorgehen der Exekutive in Sachen Drogen. Nach seiner Ansicht ist der vor Jahrzehnten ausgerufene Krieg gegen Drogen seit Anbeginn ein Krieg gegen die schwarze Bevölkerung gewesen. Diese Meinung wird von den Fakten gestützt und von den betroffenen Bewohnern Baltimores geteilt.

Baltimore und die Darstellung der dortigen Verhältnisse in The Wire waren stets als Beispiel für den Zerfall urbaner Zentren Amerikas zu verstehen. Eine Entwicklung, die sich nach wie vor fortsetzt und auch im Jahre 2012 besteht keinerlei Hoffnung auf eine Besserung.




Mittwoch, 2. Mai 2012

Grenzen der Forensik: Die PBS-Doku The Real CSI.

Ob es tatsächlich den sogenannten CSI-Effect gibt, ist nicht ganz unumstritten. In einem Beitrag für das Vanderbilt Journal Of Entertainment and Technology Law kamen die drei Verfasser Donald E. Shelton, Young S. Kim und Gregg Barak nach einer empirischen Studie mit dem Titel A Study of Juror Expectations and Demands Concerning Scientific Evidence: Does the “CSI Effect” Exist? zu dem Ergebnis, dass es angebrachter sei von einem "tech effect" zu sprechen, der nicht mit CSI in Zusammenhang stehe, sondern mit der  allgemeinen Verbreitung von Technologie und Wissen. 

In dem Artikel The CSI Effect: Popular Fiction About Forensic Science Affects The Public`s Expectation About Real Forensic Science für die Zeitschrift Jurimetrics bestätigten die Autoren N.J. Schweitzer und Michael J. Saks die Existenz des CSI-Effekts insofern, als CSI-Seher eine höhere Messlatte an die Arbeit von Forensikern anlegten. 

Verurteilungen oder Freisprüche sind so oder so im entscheidenden Maße von forensischen Beweisen abhängig, denn die Naturwissenschaften sollen ein Höchstmaß an Sicherheit bei der Urteilsfindung gewähren. 

Doch wie sieht es eigentlich mit der Stichhaltigkeit der Forensik aus? Sind Fingerabdrücke tatsächlich über jeden Zweifel erhaben? Sind alle Experten tatsächlich Experten? Ganz erstaunliche Einsichten zu diesen und anderen Fragen trägt die empfehlenswerte PBS-Doku The Real CSI zusammen, die auch für deutsche Zuschauer über das Netz hier verfügbar ist.